Montag, 6. Juli 2009
Dienstag, 21. April 2009
mutprobe No.2
Hoffe, der Text gefällt euch. Ursprünglich hatte ich vor, ihn bei einem Literaturwettbewerb einzureichen, aber da ich (mal wieder) den Abgabetermin versäumt hatte, kriegt ihr ihn jetzt zu lesen ...
ok .. here we go
p.s.: bin froh über feedback
Meine Haare
Ursprünglich waren sie mal goldblond gewesen. Und lang.
Meistens von meiner Mutter in einen strengen Zopf geflochten, zusammengepfercht in erzwungener Form, und eigentlich fast nie so, wie ich sie am liebsten mochte:
Offen und wallend, nur mit einem Stirnband zurückgehalten, so dass sie mir bis über die Hüften reichten.
Später hatte ich sie mir dann schneiden lassen. Von hüft- Auf schulterlang.
Mama weinte bittere Tränen.
Aber ich fühlte mich frei und leicht.
Federleicht.
Und glücklich. So glücklich.
Irgendwann war ich dann nicht mehr glücklich. Und weinte bittere Tränen über das Ende meiner ersten Beziehung.
Wieder ging ich in einen Friseursalon.
Kurz und fedrig waren sie nun, und ich sah mir kein bisschen mehr ähnlich.
Irgendwann war ich dann auch nicht mehr blond.
Ich war Kupfer. Und Aubergine. Und Kirsche. Und Schokolade.
Ich formte mir mithilfe von kleisterartigen Substanzen spitze Stacheln auf den Kopf, fast so undefinierbar wie mein eigener seelischer Zustand.
Danach wurden die Stacheln zu rötlichen Federn. Rötliche Federn, die mich fast genauso lustig aussehen ließen wie Pumuckl.
Über diese rötlichen Federn fährt gerade ein Elektrorasierer.
Sie sind nicht mehr ganz so dicht wie sonst, weisen etliche kahle Stellen auf.
Ich sehe das alles nicht.
Ich sitze nämlich auf einem kleinen Hocker im Badezimmer und der Spiegel vom Alibert hängt ungefähr dreißig Zentimeter zu hoch.
Es tut mir nicht leid.
Ich bin froh, dass ich es nicht sehen muss.
Nicht glücklich. Froh.
Ich spüre, wie der Scheraufsatz meine Kopfhaut berührt.. Gänsehaut.
Ich schaue auf den Boden und sehe büschelweise rote Federn auf den Fliesen liegen.
Meine Haare. Meine über alles geliebten Haare. Mein Seelenspiegel. Ein Opfer der Schermaschine an Heiligabend.
Endlich gibt der Rasierer Ruhe.
Ich fahre mir vorsichtig mit der Hand über den Kopf und zucke zurück.
Blanke, nackte Haut. Keine Federn mehr.
Ich nehme die khakifarbene Wollmütze und ziehe sie mir über den Kopf .
Sie wird für die nächsten Monate die roten Federn ersetzen.
Ich stehe auf und schaue in den Alibert. Erschrecke vor mir selbst.
Nun bin ich also eine echte Krebspatientin. Mit Glatze. Wie sich das gehört.
Dies ist ein weiterer Abschnitt meines Lebens. Der wahrscheinlich schwerste.
Wie ich ihn meistern werde?
Keine Ahnung.
Aber eines steht schon fest : Ich werde es ohne Haare tun.
Montag, 20. April 2009
odernichtoderdoch?
Ich weiss noch nicht zu sagen
Will ich weiter
Das Für und Wider blendet mich
Spring ich ins kalte Wasser oder nicht,
Oder doch ...
Songtext "Odernichtoderdoch" by MIA.
Nachdem ich nun am Wochenende wieder mal ein Kompliment bezüglich meines Schreibstils bekommen habe, komme ich nun wieder ins Wanken : Schick ich mal was an einen Verlag, oder nicht?
Eigentlich würde ich gerne , aber die Angst vor der Zurückweisung ist leider immer wieder größer als der Wunsch, endlich mal MEIN Buch in der Buchhandlung stehen zu sehen ...
Aber vielleicht muss ich erst den Schritt machen, einen meiner Texte hier reinzusetzen , bevor ich alles andere wagen kann ...
Montag, 13. April 2009
neue mutprobe?
Nachdem dieser Blog ja schon knapp 44 Tage online ist (und es mich mittlerweile auch gottseidank keine Überwindung mehr kostet, hier was reinzuschreiben :) ) habe ich mir überlegt, ob es nicht Zeit wäre für die nächste Mutprobe :
Hier einen meiner selbstgeschriebenen Texte reinzusetzen.
Die meisten meiner Texte haben zwar "Überlänge", aber einige der Kurzgeschichten und Gedichte wären kurz genug, um hier Platz zu finden.
Drückt mir die Daumen, dass mich zwischenzeitlich nicht wieder der Mut verlässt ;)
Sonntag, 1. März 2009
Prolog einer Reise
Als mein Selbstbewusstsein starb, war ich 12 Jahre alt.
Leider hatte es keinen sanften Tod. Es wurde regelrecht gemeuchelt.
Die Täter waren eine Gruppe äußerst sadistischer Mädchen aus meiner Schule.
Zuerst hab ich noch Widerstand geleistet.
Mit patzigen Antwort, Schmeicheln, gezwungenen Witzchen, Selbstbehauptungskursen. Einem letzten verzweifelten Aufbäumen meines Selbstbewusstseins.
Genützt hat es nichts. Irgendwann hatten sie mich da, wo sie mich haben wollten : Knapp oberhalb der Grasnarbe.
Also habe ich mich eingeigelt, stillgehalten, geweint und gehofft , dass es irgendwann aufhört.
Als ich in die neue Klasse kam, hat es aufgehört.
Der Knacks in meinem Selbstbewusstsein ist geblieben.
Das ganze ist jetzt acht Jahre her.
Viel geändert hat sich nicht.
Vielleicht haben sich meine Prioritäten verschoben. Mittlerweile ist es mir nicht mehr so wichtig, was Leute über mich denken, mit denen ich sowieso nichts gemeinsam habe.
Dafür stehe ich quasi jeden Tag vor einer neuen Mauer.
Einer Mauer aus Hemmungen und Angst, der mich zu stellen ich nicht in der Lage bin.
Auch dieser Blog war für mich eine dieser Mauern.
Was , wenn die anderen meinen Schreibstil nicht mögen? Wenn keiner diesen blog liest?
Dann hab ich mich entschieden, es für mich zu tun.
Ich könnte zwar auch Tagebuch schreiben (was ich auch tue) , aber es ist nicht dasselbe .
Ich glaube, dass dieser blog so eine Art Mutprobe für mich werden wird.
Aber ich hoffe, dass ich sie bestehen werde.
